Zuverlässige Tipps für die Trotzphase am Beispiel Einkauf
Der Klassiker: Einkauf mit Trotzkind heißt für viele mit offenen Augen ins Peinliche zu laufen. Aber wenn es nun mal nicht anders geht? Wenn ich an die Zeit als Alleinerziehende denke, wo ich nun mal ab und zu mit der Keule raus auf Futtersuche musste, dann fallen sie mir wieder siedend heiß ein, die Schreiattacken in aller Öffentlichkeit. Man hat mich in bestimmten Läden regelmässig gehört-bzw. besser meine Tochter. Um nicht auch noch lautstark mitzumachen, bin ich gern mal einen Gang weiter gegangen und hab so getan als würde ich das hochrote, brüllende Kind auf dem Boden nicht kennen. Wenn ich gut drauf war, habe ich auch schon mal die glotzenden Leute angesprochen: “Finden Sie das auch so schlimm? Was ist das für eine Mutter, läßt Ihr Kind allein hier schreien. Und finden Sie nicht auch, dass da mal eine anständige Tracht Prügel hilft?” Ihr glaubt nicht, wie schnell sich eventuelle Volksaufläufe auflösten-vor allem, als sich herausstellte, dass ich die Mutter bin.
Und da hätten wir schon einmal Tipp Nummer eins:
Humor
Ich weiß, es ist leichter gemurrt als gelacht-vor allem, wenn man noch keine Erfahrungen mit den Wutausbrüchen der Sprösslinge hat. Gern sind besonders die Erstgeborenen sich nicht zu fein, die Jungeltern so richtig alt aussehen zu lassen. In der Theorie wußte man stets, wie man jedes bis dahin gesehene Trotzkind auf den Boden der Tatsachen geholt hätte. Aber in der Disziplin “Trotzkind etwas leiser stellen” ist noch kein Meister vom Himmel gefallen! Sieh es mit Humor. Umstehenden kannst Du gern mal sagen: “Die Gebrauchsanweisung für das Kind war auf Chinesisch.” oder: “Das ist das Kind meiner Schwester!” oder “Wo ist denn die Mutter?”. Humorlose vertreibst Du und ansonsten ergeben sich auch gern mal nette Gespräche unter den Kunden. Das heißt, wenn sie den Lautstärkepegel des Kindes übertönen können.
Du strahlst des weiteren Tipp Nummer zwei aus:
Selbstsicherheit
Das Kind trotzt, na und? Das heißt, es ist gesund. Es entwickelt sich normgerecht-alle Standards sind erfüllt. Gern hilft auch mal der Spruch: “Das Kind kommt ganz nach dem Papa, der weiß auch, was er will und bekommt es nicht.” Straffe Dich und ignoriere selbstgerechte, dumme Sprüche. Oder wähle die Flucht nach vorn und sprich die Besserwisser an. Vergiss nicht, warum Du in der Öffentlichkeit bist und beende zügig den Einkauf.
Gut wird so mancher sagen, aber wie bringe ich mein tobendes Kleinkind dazu, mit mir zu kooperieren?
Du bist der Chef!
Was ich heute als etwas weisere Mutter oft erlebe, ist die Verunsicherung so mancher Eltern. Auch wenn ich die Verzweiflung nachvollziehen kann: Warum sind die Kinder anderer Eltern so artig? Warum kann ich nicht einmal in Ruhe einkaufen? Warum beruhigt sich ausgerechnet mein Kind nicht? Hilfe!
Ich sage noch mal: Du bist die Mutter oder der Vater! Du bist der Chef, das leuchtende Vorbild. Das heißt keine Selbstzweifel, das heißt Annehmen der Situation und nicht in Panik verfallen und vielleicht noch mitschreien oder gar das Kind gewaltsam zur Ruhe bringen wollen. Das könnte Dir einen Hinweis an das Jugendamt einbringen. Sei konsequent-auch im Nachgeben. Halte Dir stets vor Augen: Mein Kind will mich nicht ärgern-nein es ist verzweifelt. In dieser so anstrengenden Phase erkennen die Lütten, dass die Welt voller Regeln und Grenzen ist. Dabei haben sie doch gerade erst entdeckt, was sie schon alles selbst können. Habt also Mitleid und versucht liebevoll zu trösten. Manchmal hilft es auch, das Kind in den Arm zu nehmen und zu wiegen. Zeige Verständnis! Und vor allem:
Bleibe ruhig!
Sei Herr der Lage und strahle den Eindruck aus, als wüßtest Du, was Du tust. Rede ruhig auf das Kind ein, sorge natürlich bei einem besonders heftigen Wutanfall dafür, dass das Kind sich nicht verletzen kann. Ich bin kein Feind davon, dem Kind in der Zeit des Einkaufes etwas zum Essen in die Hand zu drücken. Es muss ja keine Kalorienbombe sein. Kein Trick ist zu seltsam, um ihn nicht auszuprobieren. Vielleicht hilft singen oder das stoische Herunterbeten der Einkaufsliste? Wenn Du spürst, dass Dein Sprössling gerade Energien sammelt, um sie dann unkontrolliert in Form von Schreien und Umsichtreten über Dir auszuschütten, lenke es ab. “Was macht denn der Weihnachtsmann im Juli am Obststand?” oder “Seit wann dürfen hier auch Eisbären einkaufen?” Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.
Auch kannst Du es mit Autosuggestion versuchen: “Es ist nur eine Phase. Es ist nur eine Phase. Ich bin stark. Mein Kind ist gesund.” Tausche Dich mit anderen Müttern aus. Es gibt so einfache Tipps, auf die man selbst nicht kommt. Auch Bücher wie der Elternkurs des Deutschen Kinderschutzbundes können eine gute Hilfe sein. Wenn man weiß, warum Kinder trotzen, fällt ein Agieren schon wesentlich einfacher und endet nicht in einer Spirale von Verzweiflung und Wut. Und gern könnt Ihr auch hier Fragen stellen oder eine Geschichte zum Thema Trotzphase erzählen.
Zum Schluss gibt es noch einen ganz einfachen Tipp: Lasse das Kind zu Hause, wenn es irgendwie geht. Vermeide Situationen, die stets eskalieren. Spanne den Partner, Freunde oder Familie ein. Du bist nicht allein. Und nun viel Glück!






3 Kommentare
[...] behaupten, dass das “Ich” entdecken und aussprechen, eindeutig mit der Zeit der ersten Trotzphase zusammenfällt. Dabei huscht gerade ein müdes Lächeln über mein Gesicht. Wer sich trotzdem [...]
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