Sprachentwicklung: Ab wann sagt das Kind “Ich”
Meine Tochter ist zwei Jahre und neun Monate alt und vor ein paar Wochen überlegte ich, ob und seit wann sie denn schon die Sätze mit “Ich” beginnt oder immer noch in der dritten Person von sich redet. Ich kann mich natürlich noch gut an den Knaller: “Mama, ich bin kein Baby mehr!” erinnern, aber das ist eine Weile her und sie vermischt auch oft noch. Und ähnlich wie beim berühmten Dialog: “Ich Freitag, Du Robinson”-”Nein ich Freitag, Du Robinson” übernehmen das auch manche Kinder: “Du schieben will.” las ich in einem Forum. Das Kind meinte, dass es selbst schieben wolle. Aber davon sollten sich Eltern nicht irritieren lassen.
Während der Sprachentwicklung läuft natürlich auch eine Persönlichkeitsentwicklung ab. Damit will ich sagen, dass der Spracherwerb bei jedem Kind unterschiedlich, also individuell verläuft. Das eine Kind ist mehr mit der motorischen Entwicklung beschäftigt, das andere plappert schon seit es ein paar Monate ist, unaufhörlich und sogar ganze Sätze seit dem ersten Lebensjahr. Natürlich ist das eine Charakterfrage, wie kommunikativ ist das Kind? Ist es neugierig und offen? Oder ist es in sich gekehrt und beobachtet nur? Zur Sprachentwicklung gehört eine gewisse Sprechfreude.
Es ist dabei im Normalfall nicht besorgniserregend, wenn ein Kind spät spricht oder wenig. Vergleiche mit den Kindern im Freundes- und Bekanntenkreis frustrieren da unter Umständen, können aber auch ein guter Indikator sein.
Wichtig ist natürlich, wie man selbst mit dem Kind spricht. Dabei sollte man so früh wie möglich normal und in ganzen Sätzen mit dem Kind sprechen. Die Babysprache muss nicht verkehrt sein, da durch den Singsang in der Stimme ebenfalls bestimmte Regionen im Gehirn des Kindes angesprochen werden und dadurch das Kind zum Nachahmen animiert wird. Doch reden wir eindeutig von den ersten Lebensmonaten. Wenn man nicht möchte, dass das eigene Kind auch noch mit drei Jahren “Wauwau” (für Hund) oder “Balla” (für Ball) sagt, sollte man die Dinge beim Namen nennen und nicht mit in einer Parallelwelt angesiedelten Fantasiesprache mit dem Kind sprechen.
Eine genaue Zeitangabe finden wir zum ersten “Ich” unserer Kinder nicht. Man findet oft ein großes Zeitfenster von zwei bis drei Jahren. Im Moment würde ich erfahrungsbedingt behaupten, dass das “Ich” entdecken und aussprechen, eindeutig mit der Zeit der ersten Trotzphase zusammenfällt. Dabei huscht gerade ein müdes Lächeln über mein Gesicht. Wer sich trotzdem Sorgen macht, dass die Sprachentwicklung seines Kindes keine normale ist, ist bei seinem Kinderarzt und/oder einem Logopäden sehr gut aufgehoben.


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