“Nido”-die Familienzeitschrift von Gruner+Jahr
“Nido”-heute (17.04.09) ist die erste Ausgabe aus der Stern-Schmiede von Gruner+Jahr erschienen. Und die Wellen schlagen hoch, denn der Anspruch erscheint provokant und wird wohl die Nation spalten. Timm Klotzek, einer der beiden “Neon”-Chefredakteure, ist stolz auf sein Magazin und findet Bärchenfratzen doof. Mit zwei, drei Sätzen hat er den Großteil der lesenden Eltern schon in die Flucht geschlagen.
“Nido”-italienisch für Nest soll auch nur ein bestimmtes Klientel begeistern, spricht mit seinen Themen gut verdienende Eltern mit kleinen Kindern zwischen zwei und sechs Jahren an. Auf der Nido-Homepage wird gar behauptet (mit merkwürdig zusammengestellten Wörtern), dass es noch kein Magazin gäbe, welches moderne Eltern kleiner Kinder mit vielfältigen Themen zeitgemäß anspräche.
Was Besserverdienende beim Lesen der Nido ”den Horizont weit über die richtige Auswahl der richtigen Wundcreme” eröffnet, bleibt mir verborgen. Ach richtig-Nido soll ja ein Lebensgefühl vermitteln-nämlich das, wie es war, bevor die Kinder da waren. Letztendlich ist es Selbstbetrug, wie auch die netzeitung befindet. Denn Eltern kennen das: ohne Kinder kann man sich ein Leben mit ihnen nicht vorstellen-mit Kindern kann man sich ein Leben ohne sie nicht vorstellen.
Letztendlich finde ich den Anspruch nicht verkehrt, elternzentrierte Artikel zu verfassen-Tipps für guten Sex trotz kleiner Kinder zu geben und den arbeiten wollenden Müttern und Vätern den Rücken zu stärken und das schlechte Gewissen zu nehmen. Aber ich sehe auch die Gefahr, dass sich der Trend der verzogenen und verhätschelten Kinder in Richtung einsame Kinder wandelt. Denn wo bleiben sie denn bei all der Selbstverwirklichung von Mami und Papi? Bei dem Aupair (die der erfolgreiche und gutverdienende Papi nebenbei vernascht, wenn Mami eine Teamsitzung leitet) oder bei der Oma oder der Nanny?
Auch Spiegel online läßt nicht viele gute Haare an “Nido”. Ebenso sind die Kritiken auf der Nido-Homepage teilweise wenig schmeichelhaft. Allerdings scheint die Neugier geweckt zu sein. Die Diskussionen zeigen, dass man sich doch erst mal ins Nest “setzen” will und dem Ganzen eine Chance geben möchte-für 3,95 Euro pro Ausgabe kann man schon mal testen, ob man zur Zielgruppe gehört oder nicht.
Stichworte: Baby, Eltern, Elternratgeber, Mode, Nido, Style, Zeitschrift
7 Kommentare
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hab ich gar nicht mitbekommen, dass dieses Heft raus kommt.
Sowas ähnliches gibt es aber doch schon, wenngleich auch von einem kleineren Kölner Verlag:
LUNA
Siehe auch http://www.luna-magazin.de
Sieht sehr sympathisch aus und hat trotzdem nicht den Charme der horizontlosen Eltern, die nach Popo-Creme suchen… da kuck ich mal rein… LG Kaddi
Eine heikle Thematik, vielleicht ist es gar nicht so verkehrt diese Zielgruppe anzusprechen. Gerade die Besserverdienenden entscheiden sich ja jäufig gegen Familie, vielleicht eine Plattform, um ein Leben mit Job und Familie aufzuzeigen.
Immer diese bösen Vorurteile des Au Pair-vernaschenden Ehemannes, pfui pfui pfui :-)
Ich weiß Thorsten… kommt total selten vor… ;O) Aber mal im Ernst-manchmal kann ich das schon verstehen, dass man zu einigen Eltern, meist ja Müttern irgendwie eine Grenze ziehen will. Und manche Vor-/Urteile möchte man gar nicht ablegen-weder in die eine noch in die andere Richtung. LG Kaddii
[...] drei Sätzen hat er den Großteil der lesenden Eltern schon in die Flucht geschlagen.” In Kathrin’s Baby Blog könnt ihr die ganze Rezension lesen. Und hier darf man selber drauf los [...]
So gekauft und gelesen. Teilweise etwas steif, aber insgesamt sehr interessant und lesebäl… also sind der Drang in die Nische der besserverdienenden und nicht dadada Eltern nur Säbelrasseln? Oder? Harte Schale, weicher Kern? Ich find die Artikel z.b. das Interview mit Daniel Cohn-Bendit sehr gut! LG Kaddi