Ist es sinnvoll, Nabelschnurblut einzulagern?
Neulich erzählte mir eine Bekannte, dass sie für ihre beiden Kinder Nabelschnurblut einlagern ließ. Der stolze Preis: 4000 Euro für beide Babys zusammen. Ich gestehe, mich kurzzeitig schlecht gefühlt zu haben. Ist doch das Leben meiner Kinder auf jeden Fall mehr wert, als 4000 Euro. Ehrlich gesagt, habe ich nie darüber nachgedacht, Nabelschnurblut einlagern zu lassen. Nun stelle ich mir natürlich die Frage, was mit all den Eltern ist, die das Geld für die Einlagerung von Nabelschnurblut nicht einfach so über haben. Entscheiden wir dann schon kurz nach der Geburt über Leben und Tod unseres Nachwuchses?
Der Frage bin ich natürlich auf den Grund gegangen.
Was ist Nabelschnurblut? Das Nabelschnurblut wird kurz nach der Geburt direkt aus der Nabelschnur entnommen, das ist schmerzfrei und komplikationslos. Dieses Blut enthält Stammzellen, welche zu allen möglichen Zelltypen ausgebildet werden können. Diese könnten zur Behandlung von verschiedenen unheilbaren Krankheiten wie Leukämie oder Diabetes eingesetzt werden.
Jedoch ist die Forschung heute noch nicht sicher, was alles möglich ist mit den Stammzellen des Nabelschnurblutes. Ein weiterer Punkt ist, dass bei allen bisher mit Nabelschnurblut behandelbaren Krankheiten immer fremdes Nabelschnurblut eingesetzt wird. Das eigene Blut trage den Defekt bereits in sich. Enge Verwandte (Geschwister z.B.) sollen die besten Spender sein. Einen sehr interessanten und ausführlichen Artikel zu Nabelschnurblut gab es letztes Jahr beim Stern. Der Artikel stellt den Sinn des Einfrierens des Nabelschnurblutes für die eigene Familie eindeutig in Frage. Sinnvoller sei es, das Nabelschnurblut einer Spenderblutbank zur Verfügung zu stellen, so würde die Wahrscheinlichkeit, dass es auch eingesetzt würde, wesentlich höher sein.
Versöhnlicher ist dieser Artikel “Kostbares Blut”, der über die Forschungen amerikanischer Wissenschaftler berichtet, denen die Vermehrung von Zellen aus Nabelschnurblut gelungen ist. Solch eine Vermehrung könnte die Behandlung von Erwachsenen ermöglichen. Die bisherigen gewonnenen Mengen aus der Nabelschnur seien zu gering für die Behandlung von Erwachsenen und kamen bisher nur Kindern zugute.
So lerne ich, dass man die Nabelschnurbluteinlagerung nur gut heißen kann. Weil die privaten Einlagerungen das Interesse und die Aufmerksamkeit auf das Einlagern überhaupt erhöhen. Man kann also auch Nabelschnurblut spenden, das ist für Eltern kostenlos. Da dieser Vorgang sehr teuer für die Entnahmeklinik und die öffentlichen Blutspendebanken ist, ist die Aufklärung darüber eher zurückhaltend. Eine Vermittlung an eine private Blutspendebank ist z.B. für Ärzte durch Vermittlungsprovisionen wesentlich lukrativer. Aber eine Einlagerung dort schlägt wie anfangs beschrieben mit einigen hundert Euro bis zweitausend Euro zu Buche.






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