Alleinerziehend-na und?
Eine Bekannte wurde letztens wieder von der Lehrerin ihres Sohnes zur Seite genommen und dezent auf ein paar schlechte Manieren des Sprösslings hingewiesen. Diese würden mit Sicherheit daher rühren, dass da eine männliche Hand im Haushalt fehle. Kinder von Alleinerziehenden würden doch sehr auffällig sein. Das Gesicht meiner Bekannten hätte ich doch gern gesehen, denn der ist bei der Aussage gewiss genauso die Kinnlade herunter geklappt, wie mir, als ich das hörte. Ich fühlte mich sofort an meine Zeit als Alleinerziehende erinnert und konnte diese Hilflosigkeit und Wut wegen der Frechheiten und der vielen Vorurteile wieder deutlich spüren. Die Vorurteile Alleinerziehenden gegenüber sind auch einfach nicht totzukriegen, die vererben sich von Generation zu Generation.
So wurde mir einmal sehr unmissverständlich von einem Bekannten erklärt, dass dieser sich nicht mit Alleinerziehenden abgebe. Das solle ich nicht falsch verstehen, aber mit Alleinerziehenden könne der Bekannte nicht so. Auch könne man sich mit Alleinerziehenden gar nicht richtig unterhalten. Die Erklärung dafür blieb der Bekannte mir dann schuldig. Allerdings lag es daran, dass ich einfach das Gespräch und damit die Örtlichkeit verlassen habe. Das kam öfter vor, dass ich mich fühlte als hätte ich eine ansteckende Krankheit. Stets wurde ich mißtrauisch beobachtet und auch gemieden. Schwierigkeiten mit meiner Tochter wurden stets auf den aktuellen Beziehungsstatus zurückgeführt. Für andere Frauen war ich der Feind, denn ich war nicht nur Single-nein ich war krampfhaft auf der Suche nach einem Ernährer und Vater und das machte mich doppelt gefährlich für Partnerschaften und die ohnehin kleine Auswahl an Männern fürs Leben.
Mein heutiger Artikel ist allen Alleinerziehenden gewidmet (nicht nur den Frauen-auch den Männern). Sie haben meinen vollsten Respekt und meine Anerkennung. Sie leisten doppelte (Erziehungs-)Arbeit, sind finanziell stärker belastet und vom Gesetz her oft vernachlässigt. Die gesellschaftliche Anerkennung hält sich in Grenzen. Woher kommt es, dass bei Alleinerziehenden so viele Vorurteile existieren?




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1 Kommentar
Hei,
diese blöden Bemerkungen kenne ich zur Genüge. Die Mutter meines neuen Freundes sagte mir z. B.: Deine Eltern waren bestimmt geschockt, als das Kind unterwegs war.”!!! Da werde ich glaube ich eher so gesehen, als wolle ich mich nun an dem neuen Freund bereichern. Vorurteil Nr. 1: Alleinerziehende haben kein Geld. Stimmt nicht bei allen, denn mit Steuerklasse 2 und einer guten Stelle kann man sich überhaupt nicht beschweren. Es gibt obendrauf Kindergeld und Unterhalt. Also? Wie kommt das Vorurteil auf, Alleinerziehende seinen grundsätzlich arm?
Vorurteil Nr. 2: Isolation. Hey, es ist zwar gerade kein Vater da, aber jede Menge Omas, Opas, Tanten, Onkel, Cousins und Cousinen usw. und viele Bekannte, Nachbarn, auch enge Freunde. Das soziale Netz stimmt von Anfang an. Warum wird uns Intelligenz abgesprochen?
Vorurteil Nr. 3: Kinder sind verhaltensgestört, weil… Keine Spur. Die Kinder spinnen genauso mal wie andere auch, und trotzdem entwickeln sie sich sehr gut.
usw.
Übr. finde ich, dass das schlimme Wort “alleinerziehend” endlich aus dem deutschen Sprachschatz verschwinden sollte. Es sind Mütter und Väter wie alle Eltern, und natürlich verdienen die meisten Eltern Respekt vor ihrer Mühe, für die Kinder das Beste zu wollen.
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